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TestDisk vs. PhotoRec 2026: Welches Tool solltest du nutzen? (Komplettanleitung)

TestDisk oder PhotoRec zur Datenrettung? Vollständiger Vergleich 2026: Anwendungsfälle, Schritt-für-Schritt-Anleitung, Tabelle mit 10 Kriterien und profilbasierte Empfehlungen.

Von Eric Gerard · Éditeur · Save My Disk8 Min. LesezeitPhoto via Unsplash

Hinweis: TestDisk (Partitionswiederherstellung) und PhotoRec (signaturbasiertes File-Carving) sind die beiden kostenlosen Referenztools von CGSecurity. Diese Anleitung konzentriert sich darauf, wann man welches Tool wofür einsetzt – basierend auf den dokumentierten Fähigkeiten und der Praxis, nicht auf einer Wikipedia-Zusammenfassung.

TestDisk und PhotoRec sind die beiden Open-Source-Referenztools zur Datenrettung. Kostenlos, leistungsstark und für Einsteiger einschüchternd. Aber sie tun nicht dasselbe – und das falsche Tool zur falschen Zeit zu wählen, kann dich Stunden kosten oder die Lage verschlimmern.

Diese Anleitung bringt Klarheit: welches Tool, für welchen Fall, mit konkreten Schritten.

30-Sekunden-Urteil: Welches Tool soll ich nutzen?

SituationEmpfohlenes Tool
Beschädigte oder fehlende PartitionstabelleTestDisk
Unzugängliche logische Partition (RAW, beschädigtes Dateisystem)TestDisk
Vollständig formatierter Datenträger, Tabelle nicht wiederherstellbar, Fotos/Dokumente nötigPhotoRec
Schnelle Wiederherstellung nach Dateityp (JPG, PDF …)PhotoRec
Dateinamen und Ordnerstruktur müssen erhalten bleibenTestDisk (P-Auflistung) oder EaseUS
Nicht-technischer Nutzer, keine CLI-ErfahrungEaseUS Data Recovery Wizard

Kurz gesagt:

  • TestDisk: das leistungsstärkste Tool für Strukturen (Partitionstabellen, Bootsektoren), aber mit der steilsten Lernkurve.
  • PhotoRec: unschlagbar beim File-Carving nach Dateityp – um den Preis verlorener Namen und Ordnerstrukturen.
  • EaseUS Data Recovery Wizard: am zugänglichsten für nicht-technische Nutzer (grafische Oberfläche, Dateivorschau, kostenloses Kontingent bis 2 GB).

Diese beiden Tools sind eher komplementär als konkurrierend. Die eigentliche Frage lautet nicht „welches ist besser", sondern „welches passt zu meinem Problem".

TestDisk: Das Tool, das Strukturen repariert

Geschichte und Auftrag

TestDisk entstand 1998 in den Köpfen von Christophe Grenier, einem französischen unabhängigen Entwickler. Version 1.0 erschien 2002, und Version 7.2 (die neueste, mit ARM64-Mac-Unterstützung) kam 2024. Das Projekt wird auf cgsecurity.org gehostet und unter GPL v2 vertrieben.

Der Auftrag von TestDisk ist präzise: Low-Level-Strukturen rekonstruieren und reparieren (Partitionstabellen, Bootsektoren, Dateisysteme). Es führt kein File-Carving durch.

Wichtigste Stärken

  • Partitionstabellen: vollständige Rekonstruktion von MBR (MS-DOS) und GPT
  • Dateisysteme: NTFS, FAT12/16/32, exFAT, ext2/3/4, HFS+, APFS (teilweise), UFS, Linux RAID
  • Bootsektor-Reparatur: Windows-MBR-Reparatur, Wiederherstellung des NTFS-Bootsektors
  • Datei-Auflistung: Navigation in beschädigten Dateisystemen und selektives Kopieren (Taste P, dann C)
  • Plattformübergreifend: Windows, Linux, macOS (Intel + ARM64), FreeBSD, DOS, OpenBSD
  • Oberfläche: Text-/CLI-Modus, per Tastatur navigierbar

Einschränkungen

  • Hohe Lernkurve: Die Textoberfläche verwirrt nicht-technische Nutzer
  • Keine Dateivorschau vor der Wiederherstellung
  • Teilweise APFS-Unterstützung (Lesen OK, Reparatur begrenzt)
  • Kann keine Dateien wiederherstellen, wenn die Dateisystemstruktur vollständig zerstört ist

PhotoRec: Der File-Carving-Spezialist

Zeilen von Quellcode auf einem dunklen Bildschirm
Zeilen von Quellcode auf einem dunklen Bildschirm

Wie File-Carving funktioniert

PhotoRec liest keine Dateisysteme. Es scannt den Datenträger Byte für Byte und sucht nach Dateisignaturen (Magic Bytes). Jedes Format hat einen erkennbaren Header: FF D8 FF für JPEG, 25 50 44 46 für PDF, 50 4B 03 04 für ZIP/DOCX/XLSX usw.

Der Name „PhotoRec" ist irreführend: Das Tool stellt über 500 Dateiformate wieder her – Fotos, Videos, PDFs, Office-Dokumente, Archive, SQLite-Datenbanken und mehr.

Ideale Anwendungsfälle für PhotoRec

  • Vollständige Datenträgerformatierung (die Daten sind noch da, nur die Verweise fehlen)
  • Vollständig zerstörte Partitionstabelle selbst nach TestDisk
  • Fotowiederherstellung von einer SD-Karte, die wiederverwendet oder neu formatiert wurde (Fotografen-Szenario)
  • Massenextraktion bestimmter Dateitypen aus einem abgestürzten NAS

Einschränkungen

  • Dateinamen verloren: Alles wird in f0000001.jpg, f0000002.jpg … umbenannt
  • Ordnerstruktur nicht rekonstruiert: alle Dateien in nummerierten Ordnern
  • Fragmentierte Dateien selten wiederherstellbar (Grenze des File-Carvings)
  • Manuelle Sortierung nach der Wiederherstellung nötig (Tausende Dateien)

Wann TestDisk nutzen: konkrete Fälle und Schritte

Fall 1: Fehlende Partitionstabelle (Datenträger nicht erkannt)

Symptom: Windows zeigt „Datenträger nicht initialisiert" an, oder Linux sieht eine leere Platte ohne Partition.

Konkrete Schritte:

  1. TestDisk von cgsecurity.org herunterladen, als Administrator (Windows) oder root (Linux) ausführen
  2. Betroffenen Datenträger wählen → Proceed
  3. Partitionstyp: Intel (MBR) oder EFI GPT (je nach Datenträger)
  4. AnalyseQuick Search
  5. Findet TestDisk die verlorene Partition, erscheint sie grün/rot/gelb
  6. Taste P drücken, um Dateien aufzulisten: siehst du deine Dateien, ist die Partition wiederherstellbar
  7. Write wählen, um die Tabelle zu schreiben → neu starten → im Betriebssystem prüfen

Typische Dauer: 10 bis 20 Minuten für eine gesunde 1-TB-HDD.

Fall 2: NTFS-Partition wird als RAW angezeigt

Symptom: Windows fordert zur Formatierung der Partition auf, oder die Partition erscheint als RAW in der Datenträgerverwaltung.

Schritte:

  1. TestDisk → Datenträger wählen → Analyse → die Partition sollte erscheinen
  2. Wird sie mit dem korrekten Dateisystem angezeigt: wählen → P zur Dateiprüfung
  3. Sind Dateien sichtbar: Write zur Wiederherstellung → neu starten
  4. Ist das Dateisystem beschädigt: aus dem Hauptmenü → AdvancedBootRebuild BS (NTFS-Bootsektor neu aufbauen)
  5. Nach dem Neuaufbau Zugriff aus Windows erneut testen

Fall 3: Selektive Wiederherstellung ohne Neuschreiben der Tabelle

Manchmal möchtest du die Tabelle nicht schreiben (Risiko bei einem instabilen Datenträger). TestDisk erlaubt direktes Kopieren von Dateien:

  1. Analyse → Partition finden → P, um Dateien aufzulisten
  2. Zum Zielordner navigieren
  3. C, um die ausgewählte Datei/den Ordner auf einen anderen Datenträger zu kopieren

Selektives Kopieren (P dann C) ist besonders bei instabilen Datenträgern nützlich: Es vermeidet jeden Schreibvorgang auf das Quellmedium. Bei GPT-/Windows-11-Konfigurationen dient der sekundäre GPT-Header (am Ende des Datenträgers) oft als Sicherungskopie, wenn der primäre beschädigt ist, was die Rekonstruktion erleichtert.

Wann PhotoRec nutzen: konkrete Fälle und Schritte

Fall 1: Formatierte SD-Karte (verlorene Fotos)

Das klassische Szenario: Ein Fotograf formatiert versehentlich seine SD-Karte.

Schritte:

  1. Nach dem Vorfall NICHTS auf die SD-Karte schreiben (jeder Schreibvorgang überschreibt Daten)
  2. PhotoRec starten → SD-Karte wählen
  3. Partitionstyp: None (File-Carving auf dem gesamten Datenträger, Umgehung der Partitionstabelle)
  4. Dateisystem wählen: Other (für FAT/exFAT)
  5. Wiederherzustellende Dateitypen wählen (JPG, RAW, PNG, MP4 ankreuzen)
  6. Den Zielordner wählen (auf einem ANDEREN Datenträger)
  7. Start → warten (45 Min. bis 3 Std. je nach Größe)

Solange auf die Karte nach der Formatierung nicht geschrieben wurde, stellt PhotoRec in der Regel die große Mehrheit der Fotos wieder her – allerdings mit generischen Namen (f0000001.jpg …) und ohne die ursprüngliche Ordnerstruktur. Je mehr die Karte nach dem Vorfall genutzt wurde, desto geringer die Erfolgsquote.

Fall 2: Vollständig formatierter Datenträger (Partition leer neu angelegt)

  1. PhotoRec → den gesamten Datenträger wählen (nicht nur die Partition)
  2. PartitionWhole disk
  3. Quell-Dateisystem wählen (NTFS, ext4 usw.) → Other bei Unbekanntem
  4. Scan starten

Die Scan-Geschwindigkeit hängt vor allem vom Durchsatz des Mediums ab: Eine mechanische HDD ist deutlich langsamer als eine NVMe-SSD. Rechne mit mehreren Stunden für einen vollständigen 500-GB-Scan auf einem mechanischen Datenträger, spürbar weniger auf einer SSD. Da ein „Whole disk"-Scan vollständig ist, plane Zeit ein und einen Zieldatenträger, der groß genug für die Ergebnisse ist.

Fall 3: Gezielte Extraktion nach Ransomware

Wenn einige Dateien nicht verschlüsselt sind (ältere Ransomware-Variante) und die Tabelle intakt, aber Dateien beschädigt sind:

  1. PhotoRec auf der betroffenen Partition
  2. Nur unverschlüsselte Formate filtern (JPG, PNG, ältere PDF)
  3. Mit den vorhandenen verschlüsselten Dateien abgleichen

Die Erfolgsquote variiert stark je nach Ransomware-Variante.

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Vergleichstabelle: 10 Kriterien

KriteriumTestDisk 7.2PhotoRec 7.2
OberflächeCLI-TextmodusCLI-Textmodus
DateisystemeNTFS, FAT, ext4, exFAT, HFS+, APFS, UFS …dateisystemunabhängig (File-Carving)
WiederherstellungstypenPartitionstabellen, Bootsektoren, selektives Kopierenüber 500 Formate per Signatur
Scan-Geschwindigkeit (500-GB-HDD)5–20 Min. (Quick) / 2–6 Std. (Deep)3–8 Std. (vollständiger Scan)
Beste Ergebnisse, wenn …Dateisystem-/Partitionsstruktur reparierbar istaktuelle Dateien, geringe Fragmentierung
Unterstützte BetriebssystemeWin, Linux, macOS ARM64, BSD, DOSWin, Linux, macOS ARM64, BSD, DOS
Dateinamen erhaltenJa (wenn Dateisystem lesbar)Nein (generische Namen)
OrdnerstrukturJaNein
LizenzGPL v2 – zu 100 % kostenlosGPL v2 – zu 100 % kostenlos
Communitycgsecurity.org-Forum aktiv seit 2002dasselbe (gleiches Projekt)
Kostenpflichtige AlternativeEaseUS, R-Studio, StellarEaseUS, GetDataBack, Disk Drill

Empfehlung nach Profil

Breites Publikum (nicht-technische Nutzer)

Weder TestDisk noch PhotoRec – keine grafische Oberfläche, Gefahr, die Lage durch falsche Eingaben zu verschlimmern. Direkte Empfehlung: EaseUS Data Recovery Wizard (kostenloses Kontingent bis 2 GB, Dateivorschau vor der Zahlung, intuitive Windows-/Mac-Oberfläche). Perfekt für gelöschte Dateien, geleerten Papierkorb, einfache verlorene Partition.

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Technik / Systemadministration

TestDisk als erster Reflex bei jedem Problem mit Partitionstabelle oder Bootsektor. Die CLI-Oberfläche ist vertraut, Root-Zugriff vorhanden, keine Zahlung nötig. Behalte PhotoRec als Backup, falls das Dateisystem nicht wiederherstellbar ist. Halte R-Studio oder ddrescue für Fälle mit defekten Sektoren bereit.

Fotograf (SD-Karten-Wiederherstellung)

PhotoRec ist das beste kostenlose Tool für formatierte SD-Karten. Es liefert die besten Ergebnisse, wenn die Karte nach dem Vorfall nicht wiederverwendet wurde. Vorgehen: Karte NICHT wiederverwenden, PhotoRec im „Whole disk"-Modus mit JPG/RAW/MP4-Filter. Kostenpflichtige Alternative zum Erhalt der Dateinamen: EaseUS Data Recovery Wizard (Fotovorschau vor der Wiederherstellung).

Forensik / digitale Ermittlung

Beide Tools zusammen in Reihenfolge. TestDisk, um den Partitionszustand zu dokumentieren und ohne Schreiben zu rekonstruieren (Nur-Analyse-Modus). PhotoRec für die vollständige File-Carving-Extraktion. Ergänze mit Autopsy oder FTK für eine vollständige forensische Analyse. Beide Tools sind in Kali Linux und DEFT standardmäßig enthalten.


Mehr dazu: Unser vollständiger Leitfaden zur Festplatten-Datenrettung 2026 deckt alle Methoden ab (Software + Labor), und unser Artikel zu den Kosten der Datenrettung hilft bei der Entscheidung, wann ein Profi nötig ist. Wenn du kommerzielle Software vergleichst, lies auch unseren Vergleich EaseUS vs. Recuva und unsere Auswahl der besten Datenrettungssoftware 2026.

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